Erlöserkirche

Über die Erlöserkirche

BArrierefrei 2019 – Preis der Stadt Bamberg geht an die Erlöserkirche

Kantatenchor bei der Preisverleihung BArrierefrei 2019
Kantantenchor bei der Preisverleihung in der Brosearena

Am Freitag, 15.03.2019, wurde im Rahme der Messe Franken Aktiv und Vital 2019 in der Brosearena der Preis BArrierefrei 2019 der Stadt Bamberg an die Erlöserkriche verliehen. Damit erhält die Kirchengemeinde eine wunderbare Anerkennung für die Anstrengungen der letzten Jahre, den Zugang zur Kirche und ins Gemeindezentrum barrierefrei zu gestalten.

Die schwere Tür am Seitengang in die Kirche kann seit dem Umbau sowohl von Hand als auch elektronisch geöffnet werden und ermöglicht Menschen im Rollstuhl, mit einem Rollator oder einem Kinderwagen einen barrierefreien Zugang zur Kirche.

Der Fahrstuhl gleich neben dem Seitenangang erlaubt einen barrierefreien Zugang zum Gemeindezentrum unterhalb der Kirche. Dieses Ensemble, das sich unaufdringlich in die historische Architektur einfügt, hat die Jury überzeugt.

Pfarrerin Anette Simojoki sagt in Ihrer Dankesrede: „Wir verstehen den BArrierefrei Preis als Zeichen der Anerkennung und gleichzeitig auch als Auftrag. So wie das Krichengebäude nun barrierefrei ist, so soll auch die Kirchengemeinde im übertragenen Sinne barrierefrei sein und offene Türen für alle Menschen, ob alt oder jung, einheimisch oder hierher verschlagen, bieten.“

Geschichte der Erlöserkirche

Vor fast 100 Jahren entstand mit der Erlöserkirche der erste Neubau einer evangelischen Kirche in Bamberg.

Erlöserkirche Bamberg

Zeittafel

  • 1920er Jahre – Idee und Planung einer neuen, evangelischen Kirche im östlichen Bamberg. Die Kirche St. Stephan war für die wachsende Bevölkerung im östlichen Bamberg schwer erreichbar, daher kam der Wunsch und die Notwendigkeit nach einer weiteren Kirche auf
  • 1929 – 1930 Rohbau
  • 1933 – 1934 Innenausbau
  • 28. Oktober 1934 Kirchweihe
  • 22. Februar 1945 Bombenangriff, der schwere Beschädigungen der Kirche verursachte
  • bis 1950 – Wiederaufbau
  • 25. Juni 1972 Einweihung des Gemeindezentrums, das nachträglich im Untergeschoss der Kirche eingebaut wurde
  • 1975 Errichtung der neuen Orgel

Rundgang um die Kirche

Die Erlöserkirche wurde nach Entwürfen und Plänen des Architekten Prof. German Bestelmeyer (1874 – 1942) gebaut. Der Gebäudekomplex besteht aus dem Dekagon (Zehneck), der Vorhalle, der Sakristei, der Wohnung des Kirchners und dem (fast) freistehenden Glockenturm. Bestelmeyer hat die Kirche als Gesamtkunstwerk verstanden und alles bis ins letzte Detail geplant. Inspiriert wurde er von verschiedenen sakralen Bauten in Italien. Er lässt sich von vorhandenen architektonischen Konzepten inspirieren und kombiniert sie zu einem neuen Ganzen ohne zu kopieren.

Folgende Kirchen können als Vorbilder für die Erlöserkirche aufgezählt werden:

Als Standort wurde bewusst die Lage am Kunigundendamm gewählt. Zum einen, um näher an die evangelische Bevölkerung im Osten Bambergs zu rücken, zum anderen aber auch als repräsentativer Ort am Rande des Stadtzentrums. Zur Entstehungszeit der Kirche war der Kunigundendamm noch ein tatsächlicher Damm, dahinter lag die Point (Feuchtwiese). Die 4 Meter Höhenunterschied zur Straße auf dem Damm wurden aufgefüllt, um dann die Kirche auf dem Niveau des heutigen Kunigundendamms bauen zu können. Die Höhe der umliegenden Häuser wurde an der Traufhöhe der Kirche angepasst, um so ein harmonisches Gesamtbild zu realisieren. Neben diesen „großen“ Details waren ihm auch die „kleinen“ Details wichtig: Anordnung der Bruch- und Ziegelsteine in der Fassade des Dekagons, der Vorhalle und des Glockenturms, goldene Kugel mit dem Kreuz auf dem Dach des Dekagons, Balkone am Glockenturm, aber auch schmiedeeiserne Handgriffe und vieles mehr.

An der Vorhalle fallen die so genannten „Wartesteine“ auf. Große Quader, die aus der Fassade herausstehen. Aus diesen Steinen sollten ursprünglich Figuren gehauen werden, was aber aus Geldmangel in den 1930er Jahren nie realisiert wurde. Das Hauptgebäude ist als Dekagon (Zehneck) ausgelegt. Auch hier wählt Bestelmeyer bewusst eine ästhetische Form, die als Weiterentwicklung der ansonsten häufig anzufindenen Oktogone (Achtecke) zu verstehen ist. Ein Oktogon in der realisierten Größe hätte wahrscheinlich zu klobig gewirkt, daher die Entscheidung für die eher selten anzutreffende Form eines Zehnecks.

Die Fassade ist mehrheitlich aus Bruchsteinen realisiert. Die Steine wurden dazu in umliegenden Steinbrüchen gebrochen, aber nicht weiter behauen und behalten somit ihren groben Charakter bei. Als weiteres gestalterisches Element kommen rote Ziegelsteinen, z. B. als Entlastungsbögen über den Fenstern, zum Einsatz. Der 55 m hohe Glockenturm ist im Sinne eines italienischen Campanile als eigenständiges Bauwerk realisiert. Er ist allerdings nicht ganz freistehend, die Sakristei und die Wohnung des Kirchners schließen direkt an die Außenmauer des Turms an. Es gibt jedoch keine Verbindung zum Inneren des Turms. Der Turm ist nur über die Außentür erreichbar.

Rundgang durch die Erlöserkirche

Erlöser am Kruzifix

Innenraum

Im Innern der Kirche dreht Bestelmeyer die Verhältnisse um. Hier dominieren die Ziegelsteine. Die Bruchsteine sind – im Gegensatz zur Fassade – hier glatt und behauen und bilden im unteren Bereich des Gebäudes die Basis für die zehn Pfeiler und die Kanzel. Der Innenraum mit einem Durchmesser von ca. 22 m und einer Höhe von ca. 19 m ist eher funktional und schlicht gehalten, die zehn Nischen erfüllen verschiedene Zwecke. Die zentrale Achse bilden die Nischen des Eingangs und des Chors mit dem zentralen Blick auf unseren Erlöser. Links vom Chor die Tauf-Nische, rechts vom Chor die Nische mit dem Ausgang zur Sakristei. Die restlichen Nischen bieten etliche der 700 Sitzplätze der Kirche. Die schlichte Gestaltung zieht sich auch an den Innenwänden hoch, hier sind lediglich Rundbogenfenster zu finden. Abgeschlossen wird der Innenraum durch die handwerklich aufwändig ausgearbeitete Holzdecke. Im Original war die Decke aus Lärchenholz, aus finanziellen Gründen wurde beim Wiederaufbau dann Fichtenholz verwendet. Im Zentrum befinden sich fünf kleine Engelsköpfe, die vor dem Strahlenkranz angebracht sind.

Erlöserkirche Innenraum

Die Gestaltung des Innenraums geht ebenfalls auf Bestelmeyer zurück, die Ausführung erfolgte jedoch durch verschiedene Kunsthandwerker, z. B. durch den Glaskünstler Josef Oberberger. Interessant ist die Tatsache, dass derselbe Künstler zweimal dasselbe Fenster in der Tauf-Nische gestaltet hat. Nach dem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg waren viele der Handwerker vom ursprünglichen Neubau auch am Wiederaufbau beteiligt und konnten so dazu beitragen, dass die Kirche nahezu unverändert wieder im ursprünglichen Zustand aufgebaut werden konnte. Von der Zerstörung durch den Bombenangriff zeugen nur noch wenige Stellen, z. B. abgebrochene Stellen am Relief der Bruchsteine an den Pfeilern.

Heute beherbergt der Innenraum mit seinen Nischen die Ausstellung Bonhoeffer in Harlem von John Young.

Altar und Kruzifix

Der Altar und das Kruzifix wurden wie ein Wunder durch den Bombenangriff nicht zerstört. Das Kruzifix bildet den geistlichen Mittelpunkt der Erlöserkirche und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es wird der Veit-Stoß-Schule zugerechnet. Die genaue Herkunkft des Krucifixus ist schriftlich nicht belegt, es soll einer nicht mehr existierenden Ansbacher Grabkapelle entstammen. Die Gestaltung des Kreuzes geht auf Bestelmeyer zurück. Auf dem Alter steht die Einladung: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Der Altartisch ruht auf zwei Füßen, die Leib (Brot) und Blut (Wein) Christi darstellen.

Altar und Kruzifix

Taufbecken und Tauffenster

Das Taufbecken, das von vier Löwen getragen wird, wurde ebenfalls von Bestelmeyer entworfen und von der Akademie der bildenden Künste in München gegossen. Über dem Taufbecken befindet sich das neue Tauffenster, das 1979 nach einem Entwurf von Prof. Hermann Oberberger gefertigt wurde.

Taufstein

Kanzel

Die Kanzel zwischen der Chor- und Sakristei-Nische ist aus behauenem Bruchstein massiv gebaut. Im unteren Bereich findet man die Symbole der vier Evangelisten: Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes).

Empore und Orgel

Die Empore wurde durch den Bombenangriff ebenfalls zerstört, dann aber wieder originalgetreu aufgebaut. Die ursprüngliche Orgel ist nicht erhalten und wurde 1975 durch eine neue Orgel ersetzt.


Herzlichen Dank an die Bamberger Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Wiesemann, die im Rahmen des Tages des offenen Denkmals 2018 viele kunst- und architekturgeschichtliche Informationen über die Erlöserkirche dem interessierten Publikum nähergebracht hat.